Podcast-Gespräch zu KI und Offene Jugendarbeit: Weshalb wir diesen Ansatz nicht weiterverfolgen

Ein Podcast-Gespräch zum Einsatz von KI in der Offenen Jugendarbeit von Basel und welche Herausforderungen die Technologie mit sich bringt.

Bild: Aufzeichnung des Podcasts am 15.12.2025 v.l.n.r: Endrit Sadiku, Eike Rösch und Olivier Steiner

In den letzten Monaten durfte ich gemeinsam mit Prof. Dr. Olivier Steiner von der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW und unserer Fachgruppe Digitale Jugendarbeit eine Machbarkeitsstudie zu KI-Chatbots in der Offenen Jugendarbeit begleiten. Ziel war es, herauszufinden, ob und wie künstliche Intelligenz die Arbeit mit Jugendlichen sinnvoll unterstützen könnte. Im Gespräch mit Eike Rösch von Radarstation verraten wir im Podcast, wie es mit dem Projekt weitergeht.

Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, was ein solcher Chatbot leisten könnte, welche technischen, ethischen und organisatorischen Herausforderungen bestehen und ob er überhaupt zu den Grundwerten der Offenen Jugendarbeit passt. Es ging nie darum, menschliche Begegnungen oder pädagogische Beziehungen zu ersetzen. Vielmehr wollten wir prüfen, ob KI Jugendlichen helfen kann, niederschwelliger und schneller an Informationen zu kommen, etwa bei einfachen Fragen oder organisatorischen Anliegen.

Wenn Machbarkeit an Grenzen stösst

In der abschliessenden internen Beurteilung der JuAr Basel – Jugendarbeit Basel im Herbst 2025 wurde deutlich, dass der Betrieb eines Open-Source-Modells zwar theoretisch möglich, in der Praxis aber mit erheblichen Aufwänden verbunden wäre. Ein solcher Chatbot müsste laufend mit Daten gefüttert werden, um aktuell und verlässlich zu bleiben. Ein Prozess, der nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch zeitlich und personell kaum leistbar ist.

All diese Themen und Überlegungen haben wir auch im Podcast „Tour de Soziokultur“ der Radarstation ausführlich besprochen. Im Gespräch mit Eike Rösch beleuchten Olivier Steiner und ich, wie wir an die Machbarkeitsstudie herangegangen sind, welche Chancen und Grenzen wir sehen und warum wir uns letztlich gegen die Umsetzung entschieden haben. Hier gehts zum Podcast.

Ein Nein, welches sich nicht gegen die technologische Zukunft richtet

Ich bin stolz darauf, dass wir diese Diskussion offen und kritisch geführt haben. Solche Prozesse zeigen, wie lebendig und reflektiert die Offene Jugendarbeit ist und bereit, Neues zu prüfen, aber auch klar genug, Grenzen zu ziehen, wenn es um ihre pädagogischen Grundwerte geht.

Unsere Entscheidung, den Einsatz von KI-Chatbots nicht weiterzuverfolgen, bedeutet keineswegs, dass wir uns technologischen Entwicklungen verschliessen. Im Gegenteil: Wir beobachten die Veränderungen aufmerksam und bleiben im Dialog mit Fachleuten, mit Kolleg:innen und vor allem mit den Jugendlichen selbst. Denn sie sind es, die gesellschaftliche Trends meist als Erste aufgreifen, ausprobieren und mitgestalten.

Es bleibt unsere Aufgabe, diese Entwicklungen kritisch zu begleiten, zu verstehen und dort, wo es Sinn macht, mitzugehen. Nicht, um dem Trend hinterherzulaufen, sondern um Jugendlichen auch in einer zunehmend digitalen Welt verlässliche, reflektierte und menschliche Orientierung zu bieten.