Am 11. Dezember 2024 wurde das Stadtkino Basel zur Bühne für junge Menschen, die sich mit eigenen Videobeiträgen gegen Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und Alltagsrassismus positionierten. Die Oscar Night bildete den feierlichen Abschluss einer intensiven Auseinandersetzung mit Diskriminierung, gesellschaftlichem Zusammenhalt und der Rolle sozialer Medien.

Das Projekt «Speak Up!» setzte bewusst nicht nur auf Wissensvermittlung. Die Jugendlichen sollten ihre Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken selbst in eine Form bringen, die andere Menschen erreicht. In Gruppen entwickelten und produzierten sie eigene Videos. Damit wurden sie nicht bloss zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Debatte, sondern zu aktiven Stimmen innerhalb dieser Debatte.

Von Social Media auf die Kinoleinwand

Viele Formen von Ausgrenzung und Hass zeigen sich heute auch in digitalen Räumen. Gleichzeitig bieten soziale Medien jungen Menschen die Möglichkeit, eigene Perspektiven sichtbar zu machen, Widerspruch zu formulieren und Solidarität zu schaffen.

Bei der Oscar Night erhielten diese Beiträge einen besonderen öffentlichen Raum: die grosse Leinwand des Stadtkinos. Die Videos wurden gemeinsam angeschaut und die Jugendlichen für ihre kreative Arbeit und ihr gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet. Urkunden und kleine Oscar-Statuetten unterstrichen die Anerkennung, die ihnen an diesem Abend entgegengebracht wurde.

Goldfarbene Oscar-Statuetten und eine Urkunde stehen für die Preisverleihung bereit
Urkunden und kleine Oscar-Statuetten würdigten die Beiträge und das gesellschaftliche Engagement der Jugendlichen.

Gemeinsam mit Swantje Liebs durfte ich durch den Abend führen. Für uns war wichtig, dass nicht die Erwachsenen oder die beteiligten Institutionen im Mittelpunkt standen, sondern die Jugendlichen und ihre Botschaften. Hinter jedem Video steckten persönliche Erfahrungen, intensive Gespräche und der Mut, sich öffentlich gegen Diskriminierung auszusprechen.

Anerkennung stärkt Selbstwirksamkeit

Jugendbeteiligung entfaltet ihre Wirkung dann, wenn Beiträge junger Menschen nicht nur angehört, sondern tatsächlich ernst genommen und öffentlich sichtbar werden. Die Oscar Night war deshalb weit mehr als eine klassische Abschlussveranstaltung.

Die Jugendlichen konnten erleben, dass ihre Perspektiven Bedeutung haben und gesellschaftliche Diskussionen mitprägen können. Diese Erfahrung stärkt Selbstwirksamkeit: Wer wahrnimmt, dass die eigene Stimme gehört wird, entwickelt eher den Mut, auch künftig Haltung zu zeigen und sich einzubringen.

Jugendliche stehen bei der Preisverleihung gemeinsam auf der Bühne des Stadtkinos
Die Jugendlichen wurden für ihre selbst produzierten Videobeiträge ausgezeichnet.

Gleichzeitig wurde deutlich, welche Rolle Schulen, Jugendarbeit und weitere Fachpersonen übernehmen können. Sie schaffen geschützte Räume, begleiten anspruchsvolle Reflexionsprozesse und unterstützen die Jugendlichen bei der Umsetzung. Die Botschaften und die kreative Gestaltung bleiben dabei in den Händen der jungen Menschen.

Digitale Räume nicht dem Hass überlassen

Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus und andere Formen von Diskriminierung werden durch soziale Medien nicht verursacht, können sich dort aber besonders schnell verbreiten und verstärken. Deshalb reicht es nicht, Jugendliche lediglich vor digitalen Risiken zu warnen.

Wir müssen ihnen ermöglichen, digitale Räume selbstbewusst, kritisch und verantwortungsvoll mitzugestalten. «Speak Up!» zeigt, wie Medienarbeit, politische Bildung und Jugendbeteiligung miteinander verbunden werden können. Aus persönlichen Erfahrungen entstehen Beiträge, die auch andere Menschen zum Nachdenken und zum Widerspruch gegen Diskriminierung ermutigen.

Die Oscar Night hat Diskriminierung nicht aus der Welt geschafft. Sie hat aber sichtbar gemacht, was entstehen kann, wenn junge Menschen Vertrauen, kreative Mittel und eine öffentliche Bühne erhalten. Für mich bleibt dieser Abend deshalb ein starkes Beispiel dafür, wie Beteiligung, Anerkennung und Medienarbeit gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern können.

Thematisch verwandtes Spezialprogramm: Stadtkino Basel – «Zusammen für Menschlichkeit».